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Einsatz in Afghanistan

Von Kathrin Vogler in junge Welt vom 26.3.2021

Die Bundesregierung hat in Afghanistan seit 2001 geschmeidig jede Wendung der US-Interventionspolitik nachvollzogen. Die Entscheidung, die USA nach »9/11« auf ihrem Rachefeldzug am Hindukusch zu begleiten, hat die tiefgreifende Militarisierung der deutschen Außenpolitik vorangetrieben. Damals folgte die Bundesregierung dem Schlachtruf der USA: »Der Einsatz militärischer Mittel ist unverzichtbar, um die terroristische Bedrohung zu bekämpfen und eine Wiederholung von Angriffen wie am 11. September 2001 nach Möglichkeit auszuschließen.«
Und noch heute, fast 20 Jahre später und unbeeindruckt von vielen bitteren Erfahrungen, wiederholt Außenminister Heiko Maas (SPD) das damalige Narrativ: »Von Afghanistan darf nie wieder eine Bedrohung für unsere Sicherheit ausgehen.« Als klar wurde, dass dieser Waffengang nicht wie erwartet schnell zu Ende sein würde, musste eine Argumentation her, die nahelegte, dass ein militärischer Sieg möglich sei und auf die Verheerungen des Krieges eine Zeit des Wiederaufbaus folgen würde….
weiter:
https://www.jungewelt.de/artikel/399368.bundeswehr-in-afghanistan-desaster-ohne-ende.html

Veröffentlicht am 25.03.2021 von T.Wiegold in augengeradeaus

Der Bundestag hat, möglicherweise zum letzten Mal, dem weiteren Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zugestimmt. Die Verlängerung ist wegen der Bundestagswahl nicht auf ein Jahr, sondern bis Ende Januar 2022
befristet. Die tatsächliche Dauer wird aber wesentlich vom Verbleiben der US-Truppen am Hindukusch abhängen. In der inzwischen 20. Debatte über den deutschen Einsatz in Afghanistan sprachen sich am (heutigen) Donnerstag in namentlicher Abstimmung 432 Abgeordnete für das neue Mandat (Bundestagsdrucksache 19/26916) aus. 176 stimmten dagegen,21 enthielten sich.
Geschlossen stimmte lediglich die Unionsfraktion für die Fortsetzung der Resolute Support Mission; bei SPD wie FDP gab es einige Gegenstimmen und Enthaltungen. Sehr uneinheitlich war das Abstimmungsverhalten bei den Grünen: Während die Zahl der Nein-Stimmen mit 32 überwog, stimmten ebenso viele Abgeordnete dafür wie sich enthielten, jeweils 14. Die AfD und die Linke sprachen sich geschlossen gegen eine Fortsetzung des Einsatzes aus.

Die Debatte über den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan nimmt wieder Fahrt auf – auch wenn es nicht, wie es am Wochenende hieß, Planungen für einen Abzug innerhalb der nächsten sechs Wochen gab.

Veröffentlicht am 15.02.2021 von T.Wiegold in: augengeradeaus

Auch der im vergangenen Jahr zwischen den USA und den Taliban vereinbarte Abzug aller internationalen Truppen bis Ende April ist recht unwahrscheinlich.

weiter: https://augengeradeaus.net/2021/02/abzug-aus-afghanistan-voraussichtlich-nicht-bis-ende-april-was-bedeutet-das/

Dafür stimmte am 12.3.2020 eine Mehrheit von 358 Abgeordneten gegen die Nein-Stimmen von 160 Parlamentariern bei 21 Enthaltungen.

Das Mandat für den Einsatz als Teil der Nato-Ausbildungsmission "Resolute Support" wurde damit praktisch unverändert fortgeschrieben. Politikerinnen und Politiker der Opposition warfen der Bundesregierung vor, den weiteren Weg nach dem jüngst unterzeichneten Abkommen zwischen den USA und den Taliban nicht ausreichend zu beschreiben.

Das nun bis zum 31. März 2021 verlängerte Mandat sieht vor, dass weiterhin bis zu 1.300 Soldaten entsandt werden können.

Die Art des Rückzugs ist es auch. Das wird dramatische Folgen für die Welt haben.

Von Michael von der Schulenburg | 25.03.2020 | in ipg-journal

Während die Welt im Bann einer dramatischen Corona-Pandemie steht und dies Fragen zur Globalisierung aufwirft, könnte, obwohl kaum beachtet, der bevorstehende Abzug der NATO aus Afghanistan unsere Welt geopolitisch noch tiefgreifender verändern.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Ereignisse in diesem verarmten, abgelegenen und weithin unbekannten (aber wunderschönen) Land zum zweiten Mal in unserer Zeit eine weltpolitische Zeitenwende einzuläuten scheinen. 1989 musste die mächtige Rote Armee aus Afghanistan abziehen. Nach 10 Jahren Krieg akzeptierte die Sowjetunion, dass sie gescheitert war, mit militärischer Gewalt ihr kommunistisches politisches System durchzusetzen. Diese Niederlage hatte weitreichende Folgen. Im gleichen Jahr fiel die Berliner Mauer, und zwei Jahre später gab es dann keinen Warschauer Pakt, keine Sowjetunion, ja keine kommunistische Welt mehr. Es war das Ende des Kalten Krieges; die Welt war eine andere geworden.

Am 28.Januar 2019 umriss Angela Merkel in ihrer Dankesrede zur Verleihung des Fulbright-Preises noch einmal stolz das außen- und sicherheitspolitische Engagement der Bundesrepublik

Dabei sagte sie wortwörtlich, dass Deutschland aufgrund des NATO-Bündnisfalls militärisch in Afghanistan aktiv sei, um die Interessen der USA zu verteidigen. Das ist jedoch – zumindest offiziell – falsch und wirft weitere Fragen auf. Warum weiß die Kanzlerin nicht, auf welcher Grundlage die Bundeswehr in Afghanistan stationiert ist? Wer weiß eigentlich noch, dass dieser Bündnisfall vor mehr als 17 Jahren wegen der Anschläge vom 11. September 2001 ausgerufen wurde? Und wem will die Kanzlerin heute eigentlich noch erzählen, dass die Stationierung deutscher Soldaten im Ausland etwas mit dem Recht auf Selbstverteidigung der USA zu tun haben soll?

von Jens Berger in NachDenkSeiten vom 30.1.2019.  

Weiterlesen:   https://www.nachdenkseiten.de/?p=48892

11.09.2018  in german foreign policy | 17 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 dringen Berliner Regierungsberater auf die Überprüfung des fortdauernden "Anti-Terror-Kriegs"

Nach den Anschlägen seien in den westlichen Staaten im Namen des "Anti-Terror-Kriegs" zahlreiche Maßnahmen wie "Inhaftierungen ohne Gerichtsurteil" oder die massenhafte "anlasslose Überwachung" eingeführt worden, die damals scharf kritisiert wurden, heißt es in einer aktuellen Studie der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) . Viele der Maßnahmen würden bis heute durchgeführt; die Kritik daran sei allerdings weitgehend verstummt, obwohl sie eine "systematische Aushöhlung von Menschen- und Bürgerrechten" mit sich brächten. Der Vorwurf trifft auch Deutschland. Die Bundesrepublik verschärft im Namen des "Anti-Terror-Kriegs" die innere Repression und ist Standort für den US-Drohnenkrieg, in dem Verdächtige ohne Gerichtsurteil ermordet werden. Politiker, die ab 2001 in die Verschleppung Verdächtiger in CIA-Foltergefängnisse involviert waren, haben staatliche Spitzenposten inne.

Weiter lesen: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7717/

Kosten des deutschen politisch-militärisch-zivilen Engagements in Afghanistan (seit 2001)

Auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag gab die Bundesregierung am 11.9.18 (!)  detailliert Auskunft  - BT-Drs. 19-4231

hier die Antwort als pdf

Am 15.3.18 diskutierte der Bundestag über den Antrag der Bundesregierung (BT-Drs. 19/1094 - pdf), das Afghanistanmandat für den Bundeswehreinsatz  "Resolute Support"  nicht nur zu verlängern, sondern auf 1.300 Soldaten zu erhöhen (hier Auszug aus der Debatte  als pdf) . Am 22.3.18 wurde über das Mandat nach erneuter Debatte abgestimmt ( hier Auszug aus der Debatte vom 22.3.18 als pdf).

Der Bundestag stimmte mit Mehrheit von 447 Stimmen für die Fortführung des Einsatzes bis 31.3.2019, dabei 18 Abgeordnete von B 90/ GRÜNE, 180 Abgeordnete  (LINKE und AfD geschlossen) dagegen, davon 8 Abgeordnete der SPD und 34  von B90/GRÜNE.  16 Abgeordnete enthielten sich.

Der Sicherheitsrat, in Bekräftigung seiner Resolutionen 1267 (1999), ....., bekräftigend, dass der Terrorismus in allen seinen Arten und Erscheinungsformen eine der schwersten Bedrohungen des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit darstellt

und dass alle terroristischen Handlungen verbrecherisch und nicht zu rechtfertigen sind, ungeachtet ihrer Beweggründe und gleichviel, wann, wo und von wem sie begangen werden, und unverändert entschlossen, weiter dazu beizutragen, die Wirksamkeit der gesamten Maß-nahmen zur Bekämpfung dieser Geißel auf weltweiter Ebene zu erhöhen.....

weiter als pdf res 2396

Am 21./22.11 2017 diskutierte der neue Bundestag die Verlängerung der laufenden Mandate für Auslandseinsätze der Bundeswehr vorläufig für weitere drei Monate.

Hier zur Debatte (Auszug aus Bundestagsprotokoll - pdf)

Hier zur Debatte (Auszug aus Bundestagsprotokoll - pdf)

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