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INF-Treaty (Intermediate Nuclear Forces) vom 8.Dezember 1987

Demokratische Abgeordnete wollen den weiteren Bau von Trident-Marschflugkörpern mit "geringer Sprengkraft" verhindern, Trump und die Republikaner favorisieren einen damit möglichen "flexibleren" Einsatz von Atomwaffen

06. Juni 2019 Florian Rötzer bei telepolis

(…) Donald Trump hat das Militärbudget wieder hochgesetzt, ist aus Abkommen wie dem INF ausgestiegen und befürwortet nuklearen Hochrüstung. Für ihn sichert das Militär die Macht der USA, um andere Länder durch Bedrohung zu erpressen. Der Kongress hat bei der Erhöhung des Militärhaushalts demonstriert, dass es sowohl demokratischen als auch republikanischen Abgeordneten ein Anliegen ist, die USA als militärisch dominantes Land zu erhalten.

weiterlesen: https://www.heise.de/tp/features/USA-Streit-um-taktische-Atomwaffen-4440665.html

 

Von Theodore A. Postol nach: Bulletin of the Atomic Scientists, 14.02.19 - veröffentlicht im Original und in dt. Übersetzung (durch Luftpost) am 18.3.19

Am 17. September 2009 haben Präsident Obama und sein Verteidigungsminister Robert Gates einen neuen US-Raketenabwehrschild in Europa angekündigt, den auf das Aegis-System aufgebauten European Phased Adaptive Approch, abgekürzt EPAA. Damit haben sie die von der Bush-Administration in Polen geplante Ground-Base Missile Defense, abgekürzt GMD, durch ein – nach Meinung Obamas – "klügeres und schnelleres" Raketenabwehrsystem ersetzt. Die Raketenbasis in Polen und eine ähnliche in Rumänien sollen – anders als das GMD-System – mit einer größeren Anzahl kleinerer und langsamerer Abfangraketen des Aegis-Systems bestückt werden, das schon länger auf US-Kriegsschiffen stationiert ist.

weiterlesen: http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP03319_180319.pdf

Für eine Politik der Entspannung, der gemeinsamen Sicherheit und der Abrüstung

Die Politik gegenüber Russland war und ist immer umstritten - die deutsch-russischen Beziehungen sind ein Seismograf für den Friedensprozess in Europa.

Das Verhältnis von Russland und dem Westen ist geprägt durch eine lange und wechselvolle Geschichte. Die Lehren dürfen nicht vergessen werden und sind einWegweiser für Gegenwart und Zukunft. Für Russland kam aus dem Westen meist nichts Gutes, von Napoleon über Hitler bis zur nuklearen Hochrüstung im Kalten Krieg. 27 Millionen Tote des Zweiten Weltkrieges bleiben unvergessen. Nach Beendigung der Ost-West-Konfrontation und der Charta von Paris für eine friedlichen Ordnung in Europawurden die Chancen auf eine echte Partnerschaft in einem „gemeinsamen Haus Europa“ vertan. Die Grundlagen dazu wurden untergraben durch Entwicklungen wie die NATO-Osterweiterung, die Stationierung der US-Raketenabwehr oder der Kosovo-Krieg und andere Militärinterventionen.

Mit westlicher Sieger-Mentalität, den Zurückweisungen und Degradierungen wurde Russland zu einem Feind gemacht,

Unter diesem Titel wandten sich am 4.2.19 Mayors for Peace, Parlamentarier und Vertreter von NGOs aus 40 Ländern gemeinsam an die Präsidenten Trump und Putin, um den INF-Vertrag zu retten

By Christine Muttonen, Jacqueline Cabasso & Alyn Ware  4.Februar 2019

Christine Muttonen is a former Austrian parliamentarian who served as the President of the OSCE Parliamentary Assembly from 2016-2017. Jacqueline Cabasso is the Executive Director of Western States Legal Foundation and the North America Coordinator for Mayors for Peace. Alyn Ware is Global Coordinator for Parliamentarians for Nuclear Non-proliferation and Disarmament and Disarmament Program Director for the World Future Council.

BASEL, Switzerland, Feb 4 2019 (IPS) - The United States last week officially announced it is walking away from the Intermediate Range Nuclear Forces (INF) Treaty, an agreement made between the USA and the Soviet Union in 1987 to eliminate a whole class of nuclear weapons that had been deployed in Europe and had put the continent on a trip-wire to nuclear war. (……) This goes against public opinion, which is overwhelmingly opposed to a nuclear arms race, and to nuclear sabre rattling and threats, whether open or veiled, from Presidents Putin and Trump. Despite this, it’s extremely difficult for civil society to directly influence Russian or US nuclear policy.

That points to a deficit of democracy in both countries. It also points up the need for direct actions parliaments, cities and citizens can take to stop the assault on arms control treaties and prevent a new nuclear arms race.

To that end, mayors, parliamentarians and representatives of civil society organizations from 40 countries – mostly Europe and North America, including the mayors of 18 US cities– sent a joint appeal to Presidents Trump and Putin, calling on them to preserve the INF Treaty and resolve nuclear-weapons and security related conflicts through dialogue rather than through military provocation.

more: http://www.ipsnews.net/2019/02/treaties-collapse-can-still-prevent-nuclear-arms-race/

Is Russia Solely to Blame for Violations of the INF Treaty? The New York Times says so, but this MIT professor emeritus says there’s more to the story

By Theodore A. Postol January 17, 2019 in The nation“

A recent Sunday New York Times editorial bemoaned the Trump administration’s decision to abandon the landmark Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty, which was signed 31 years ago last month by Soviet General Secretary Mikhail Gorbachev and President Ronald Reagan. The treaty, as the Times correctly notes, “eliminated an entire class of weapons, some 2,692 ground-based missiles that can fly in the range of roughly 300 to 3,000 miles and their launchers.”

Yet the Times editorial board, while right to decry the seeming lack of interest in a sustained diplomatic effort on the part of the Trump administration to save the treaty, failed to properly explain the core of the dispute between Russia and the United States over the question of compliance.

"We are open to negotiations".....

(……) „For many years, we have been calling on numerous occasions for holding meaningful disarmament talks on almost all aspects of this matter. In recent years, we have seen that our partners have not been supportive of our initiatives. On the contrary, they always find pretexts to further dismantle the existing international security architecture.

In this connection, I would like to highlight the following considerations, and I expect the Foreign Ministry and the Defence Ministry to use them as guidance. All our proposals in this area remain on the table just as before. We are open to negotiations. At the same time, I ask both ministries not to initiate talks on these matters in the future. I suggest that we wait until our partners are ready to engage in equal and meaningful dialogue on this subject that is essential for us, as well as for our partners and the entire world.

Another important consideration I would like to share with the senior officials of both ministries. We proceed from the premise that Russia will not deploy intermediate-range or shorter-range weapons, if we develop weapons of this kind, neither in Europe nor anywhere else until US weapons of this kind are deployed to the corresponding regions of the world.“ (…...)

hier die engl. Version des ganzen Gesprächs : https://augengeradeaus.net/2019/02/sammler-zum-inf-vertrag-2-die-russische-reaktion/#more-32640

 

hier das Gespräch in dt. Übersetzung durch das "Luftpost Archiv":  http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_19/LP01619_060219.pdf

 

Russland und zehn weitere Staaten sind am 21.12.2018 in der UN-Vollversammlung mit ihrer Resolution zum INF-Vertrag knapp gescheitert. Angesichts des US-Ultimatums und des De-facto-Ausstiegs aus dem Abrüstungsvertrag ist nun der Weg zum neuen Wettrüsten frei.

Obwohl eine UN-Resolution juristisch nicht bindend ist, war es für russische Diplomaten die letzte Hoffnung, die USA mit einer UN-Mehrheit vom angedrohten Ausstieg aus dem INF-Vertrag über das Verbot von Kurz- und Mittelstreckenraketen abzuhalten. Am 21. Dezember stimmte die UN-Vollversammlung über die von Russland und zehn weiteren Staaten eingereichte Resolution ab. Die Abstimmung brachte jedoch keine Mehrheit für die Resolution.

Gegen das Dokument stimmten 46 Länder, 43 stimmten dafür, während sich 78 enthielten. War das abzusehen? Keineswegs, denn die Resolution wurde in einer betont neutralen Sprache verfasst, ohne auf die Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland einzugehen, und damit auch unter Verzicht auf Schuldzuweisungen. Über die beiden größten Atommächte hieß es, sie sollten "den konstuktiven Dialog wieder aufnehmen und zusätzliche Maßnahmen der Zusammenarbeit erarbeiten", um weiteren falschen Auslegungen und Missverständnissen entgegenzuwirken. Alle Unterzeichnerstaaten des Vertrages sollten bedingungslos alle Vorgaben einhalten und die Konsultationen dazu wieder aufnehmen, zitiert die russische Zeitung Kommersant aus dem Dokument.

Doch vor allem die NATO- und die EU-Staaten konnte das nicht umstimmen.

weiterlesen:   22.12.2018 bei RT-Deutsch  https://de.rt.com/1qw3

Hier einige der Stimmen aus der aktuellen Debatte:

Katja Keul am 8.11.18 im Bundestag  (Auszug aus dem Protokoll als pdf)

Norman Paech am 15.12.18 in rubikon:  "Die Angst vor dem Atomkrieg" https://www.rubikon.news/artikel/die-angst-vor-dem-atomkrieg

Rolf Mützenich am 4.12.18 in ipg-journal: "Rückkehr des nuklearen Denkens. Mit der Kündigung des INF-Vertrages droht ein neues nukleares Wettrüsten in Europa" https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/rueckkehr-des-nuklearen-denkens-3128/

Kurt Beck, Björn Engholm und andere am 26.10.18: "Kein neues atomares Wettrüsten in Europa! Für einen neuen Anlafu zur Rüstungskontrolle und Abrüstung"  https://kein-wettruesten.de/

Hier zunächst nochmals der Text des Vertrags vom 8.12.1987  in deutscher Übersetzung

Intermediate Nuclear Forces Treaty (INF) - als pdf

Der Vertrag enthält in Art. XI  auch  Regelungen für den Fall, dass eine Partei den Vertrag angeblich verletzt:

...."5. Each Party shall have the right to conduct inspections pursuant to this paragraph for 13 years after entry into force of this Treaty."

Das bedeutet, die gegenseitige Möglichkeit zur Überprüfung auf Vertragsverstöße bestand bis Mai 2001.
Allerdings gibt es auch noch Artikel XIII:

"1. To promote the objectives and implementation of the provisions of this Treaty, the Parties hereby establish the Special Verification Commission. The Parties agree that, if either Party so requests, they shall meet within the framework of the Special Verification Commission to:
(a) resolve questions relating to compliance with the obligations assumed; and
(b) agree upon such measures as may be necessary to improve the viability and effectiveness of this Treaty."

Offenbar ist diese "Spezielle Überprüfungskommission"nicht zeitlich limitiert worden und jetzt die berufene Ebene, um die Streitpunkte zu klären.

Wie bezeichnen die Vertragparteien selber gegenwärtig den Streitstand?

Gastbeitrag des russischen Botschafters Sergej J. Netschajew: „Wie wir den INF-Vertrag retten“

rp-online 16.12.18

Der russische Botschafter kritisiert in einem Gastbeitrag fehlende Belege für US-Behauptungen über Raketenentwicklungen seines Landes, erhebt schwere Vorwürfe wegen US-Verstößen, bekundet jedoch Gesprächsbereitschaft über alle Details.

https://rp-online.de/politik/ausland/russischer-botschafter-sergej-j-netschajew-ueber-inf-vertrag_aid-35164837

Statement des US-Außenministeriums  von 16 November 2018

Übersicht über die Schlaglichter des diplomatischen Engagements im Zusammenhang mit dem INF-Treaty, hier als pdf

 

Erklärung der Deep Cuts Commission vom 19.3.2018

Die Deep Cuts Commission, ein 2013 gegründetes trilaterales deutsch-russisch-amerikanisches Gremium hochrangiger Experten aus Wissenschaft und Beratung sowie ehemaliger Regierungsbeamter, dessen Ziel es ist, Hindernisse auf dem Weg weiterer
U.S.-russischer Abrüstung im nuklearen und konventionellen Bereich aufzuzeigen und konkrete Lösungsvorschläge für deren Überwindung zu unterbreiten, hat einen dringenden Aufruf an die Präsidenten Trump und Putin veröffentlicht.

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