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Was sind Waffen aus abgereichertem Uran?

Uran hat eine sehr hohe Dichte - es ist 1,7-mal schwerer als Blei - und wird deswegen zur Erhöhung der Durchschlagskraft von panzer- und bunkerbrechenden Waffen verwendet. Beim Aufprall der Uranmunition auf ein gepanzertes Ziel entzündet sich die Munition bei extrem hohen Temperaturen von 3.000 bis 5.000° C selbst und explodiert. Die Soldaten sterben dabei sofort. Es entstehen sehr feine Uranoxidaerosole in der Größe von Nano-Partikeln, die über die Atemluft, das Trinkwasser und die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen können. Ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter! Partikel dieser Größe verteilen sich im gesamten Organismus und können sich an vielen Stellen festsetzen. Da Uran zudem als hochgiftiges Schwermetall und radioaktiv als Alphastrahler wirkt, kann das fatale Folgen für die Gesundheit der Menschen haben.


Wirkung der Uranmunition auf die menschliche Gesundheit

Uran schädigt die Gesundheit auf zweierlei Weise: Als Schwermetall ist es chemisch hochgiftig, als radioaktiver Alphastrahler wirkt es stark krebserregend und schädigt die Erbinformation. Es können noch weit nach dem Ende der Kampfhandlungen schwere Gesundheitsschädigungen, wie Immundefekte, Nierenversagen, Lungenkrebs und Leukämie sowie schwere Missbildungen bei Neugeborenen auftreten.

Gravierend sind auch Erbgutveränderungen, die an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.

Uranwaffeneinsatz im Irak und die Folgen

Uranwaffen wurden von den USA und Großbritannien in allen Nato-Kriegen seit 1991 eingesetzt: in Irak, in Bosnien, Serbien, Kosovo, Afghanistan, wahrscheinlich auch in Libyen. Nach dem 1. Golfkrieg 1991 von Präsident George Bush sen. erkrankten viele Golfkriegs- veteranen an Leukämie, Lymphomen und anderen Krebsarten. Beispielhaft für ihre Belastung stellte eine Erhebung aus dem US-Bundesstaat Mississippi fest, dass von 251 Veteranen- familien 67 Prozent der nach dem Kriegseinsatz geborenen Kinder Missbildungen oder Organschäden aufwiesen.

Neugeborene aus den besonders bekämpften Gebieten im Süd-Irak, in Bagdad, Basrah und Falludscha weisen dieselben Schädigungen auf, wie Herzfehler, Gesichtsspalten, Fehlbildungen des Urogenitaltraktes bis hin zu völligen Deformierungen des Körpers:

    Aus dem Kinderkrankenhaus in Basrah wird berichtet, dass die Leukämierate bei Kindern seit 1990 pro Jahr um das 13 fache gestiegen ist.
    Die Stadt Falludscha. wurde von der US-Armee 2004 zur Bekämpfung des Widerstands wochenlang angegriffen und belagert. Ab 2009 erschienen alarmierende Berichte von Journalisten über den schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung. Eine Studie mehrerer Wissenschafler belegte diese Pressemitteilungen. Die Krebsrate bei Kindern erhöhte sich zwischen 2004 und 2009 um das 12-fache; die schweren angeborenen Fehlbildungen um das 15-fache. Gestiegen ist auch die Häufigkeit von Lymph- und Gehirntumoren. Leukämie erhöhte sich um das 38-fache und Brustkrebs um das 10-fache.

Auch wenn es zusätzliche, ebenfalls kriegsbedingte carcinogene und mutagene Gifte gibt, unter anderem Dioxin, gehört abgereichertes Uran in diesen Kriegsgebieten sicher zu den auslösenden Ursachen für die gehäufte Krebs- und Missbildungsrate.

Uranwaffeneinsatz auf dem Balkan 1995 und 1999

Auch auf dem Balkan wurden von der Nato 1994 und 1995 in Bosnien – Herzegowina und 1999 im Kosovo, Serbien und Montenegro Waffen aus abgereichertem Uran eingesetzt. Die Nato veröffentlichte Koordinaten betroffener Gebiete und gab zu, in Serbien und im Kosovo 31.000 Geschosse, ca.10 Tonnen, und in Bosnien 10.800 Geschosse eingesetzt zu haben. 1995 wurde die kleine Stadt Hadzici, 15 Kilometer von Sarajewo entfernt, wegen des dortigen Panzerreparaturwerks mit Uranwaffen bombardiert. Die Serben ahnten die langfristige Gefährlichkeit der Bomben und siedelten die 3.500 Bürger in das Gebirgsstädtchen Bratunac um. In den folgenden fünf Jahren starben überdurchschnittlich viele der umgesiedelten Menschen an aggressiven Krebserkrankungen.

Auch die Bundeswehr nahm 1999 am Nato-Krieg im Kosovo-Konflikt teil. Im Nord Kosovo im Krankenhaus Kosovska Mitrovica wurden im Zeitraum von 1997-2000 bei 30.000 Patienten klinische Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurde insbesondere für Lungenkrebs eine stark erhöhte Krebsrate nach Kriegsende festgestellt. Die Leukämie- erkrankungen bei Kindern stiegen bis zum Jahr 2008 um das 10-15-fache. Auch die Fehlbil- dungsrate bei Neugeborenen ist ungewöhnlich hoch. Studien legen einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und dem Einsatz von Uranmunition nahe.

Uranwaffen in Afghanistan ab 2001

In Afghanistan wurden ab 2001 besonders die Bagram-Front nördlich von Kabul, die Kundus-Front und die Berge der Tora Bora mit Uranwaffen bombardiert. Im Gebiet der Tora Bora liegt eins der wichtigsten natürlichen Trinkwasserreservoire Afghanistans. Von daher gelangt uranverseuchtes Wasser in den Südwesten des Landes. Analysen von Wasser-, Boden- und Urinproben, die von kanadischen Wissenschaftlern durchgeführt wurden, ergaben hohe Werte von Uranisotopen, die auf den Einsatz von Uranwaffen hinweisen. Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung hat der afghanische Wissenschaftler Professor Daud Miraki dokumentiert. Er stellte ein gehäuftes Auftreten aggressiver Krebserkrankungen bei Erwach- senen und eine hohe Zahl von Fehlgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen fest.

Halbwertzeit und Dekontamination verseuchter Gebiete

Uran hat eine Halbwertzeit von 4,5 Milliarden Jahren, eine „natürliche“ Dekontamination ist daher nach menschlichem Ermessen nicht möglich. Zudem bergen die Zerfallsreihen weitere Gefahren. Eine Entseuchung und Entsorgung der strahlenden und toxischen Rückstände ist äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich. Einmal in die Umwelt entlassene Nanostäube können nicht wieder eingefangen werden. Sie werden mit dem Wind über weiteste Strecken transportiert. So fand man im kurdischen Nordirak den belasteten Uranstaub aus dem Südirak mit denselben Krankheitsfolgen für die Bevölkerung. Die USA und Großbritannien, als Verur- sacher der DU-Kontamination, sehen keine Veranlassung, Arbeiten und Kosten der Dekonta- mination zu übernehmen.

Verstoß gegen das Völkerrecht

Uranwaffen sind explizit (noch) nicht verboten. Es bestehen hierzu keine ausdrücklichen vertraglichen Regelungen im Recht der Rüstungskontrolle oder im Humanitären Völkerrecht. Einschränkungen ergeben sich aber aus verschiedenen Rechtsgrundsätzen. So ist es verboten, Waffen, Geschosse und Material sowie Methoden der Kriegführung zu verwenden, die geeignet sind, überflüssige Verletzungen oder unnötige Leiden zu verursachen. Verboten ist eine Kriegführung, bei der nicht zwischen Kombattanten und Zivilpersonen unterschieden werden kann oder deren Wirkungen nicht begrenzt werden können. Zusammen mit dem in der Rio-Erklärung von 1992 geforderten Schutz der Umwelt auch in kriegerischen Konflikten ergibt sich die Forderung an die Staaten, nach dem Vorsorgeansatz auf den Einsatz von DU-Munition zu verzichten und diese Waffen auf lange Sicht zu ächten.

Belgien und Costa Rica haben 2009 bzw. 2011 in Form spezieller Gesetze damit bereits den Anfang gemacht.

Wir fordern deshalb die Bundesregierung und die Abgeordneten des deutschen Bundestages nachdrücklich auf,

    sich dafür einzusetzen , dass die Verwendung von Uran-Waffen sofort eingestellt wird,
    Herstellung, Beschaffung, Lagerung, Besitz, Finanzierung, Verkauf, Verbreitung und Transport von Uranwaffen auf deutschem Gebiet zu verbieten,
    auf die auf deutschem Hoheitsgebiet stationierten NATO-Truppen einzuwirken und im Rahmen der NATO darauf zu drängen, Einsatz, Lagerung und Transport von Uranwaffen zu unterlassen,
    sich insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen für eine weltweite Ächtung von Uranwaffen einzusetzen,
    die Säuberung kontaminierter Gebiete und die Opfer des Einsatzes von Uranwaffen zu unterstützen.

International Coalition to Ban Uranium Weapons (ICBUW): www.icbuw.org ICBUW Deutschland: www.uran-munition.de
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

hier die zur Unterzeichnung vorbereitete Petition

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