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Whistleblowerpreis 2011

Whistleblowing im nuklear-industriellen Komplex

Dr. Rainer Moormann arbeitete 35 Jahre in der Kernforschungsanlage (KFA), dem heutigen Forschungszentrum, in Jülich. Zu seinen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkten zählte über lange Zeit die Sicherheit von Kugelhaufen- oder Hochtemperatur-Reaktoren (HTR). Ein Versuchsreaktor dieses Typs (AVR) mit einer Kapazität von 15 Megawatt war in Jülich bis 1988 in Betrieb. Er wurde mit in Graphitkugeln eingeschlossenem Brennstoff betrieben und mit Helium-Gas gekühlt.Hochtemperatur-Reaktoren werden von interessierten Kreisen in der Fachwelt, in der Wirtschaft und in der Politik bis heute dafür gerühmt, dass sie „inhärent sicher“ seien: Bei ihnen bestehe nicht das Risiko einer Kernschmelze. Nukleare Katastrophen seien also nicht zu befürchten. Mit diesem Argument wird seit längerem der Export des Reaktortyps auch in Länder mit niedrigeren Sicherheitsstandards betrieben. Dr. Moormann ist in seinen Untersuchungen demgegenüber zu dem Schluss gelangt, dass mit der Kugelhaufen-HTR-Technologie andere, nicht minder bedrohliche Störfallmöglichkeiten und Risiken mit katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt verbunden sind. Seine Hinweise begründen zudem den Verdacht, dass wesentliche Umstände und Folgen eines Störfalls 1978 im Reaktor Jülich bisher verschleiert worden sind.Dr. Moormanns Whistleblowing und seine Orientierung am Gemeinwohl sind beispielhaft für verantwortliches wissenschaftliches Handeln. Darum erhält er den Whistleblowerpreis 2011.Prof. Dr. Ulrich Bartosch, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW). Dr. Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, Mitglied der Whistleblowerpreis-Jury. Dipl.-Pol. Annegret Falter, Journalistin, Mitglied der Whistleblowerpreis-Jury. Dipl.-Physiker Lothar Hahn, ehem. Vorsitzender der Reaktorsicherheitskommission; ehem. Geschäftsführer der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit. Martin Herzog, Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk in Köln

 

Dr. Dieter Deiseroth im Interview mit der Leipziger Internetzeitung (Januar 2012) zum gleichnamigen Buch über die Preisverleihung an Dr. Rainer Moormann .

http://www.l-iz.de/Leben/Gesellschaft/2012/01/Whistleblowing-im-nuklear-industriellen-Komplex-40704.html?rp_printversion=true

 

Whistleblower Moormann: “Der Betrieb im Reaktor war über Jahre hinweg quasi ein einziger Störfall.”

Der Preisträger 2011 in der Berliner Gazette vom 8. Juli 2011

Kürzlich wurde zum siebten mal der Whistleblower-Preis vergeben. Dabei wurden aber nicht die medial omnipräsenten Menschen, wie Julian Assange oder Daniel Domscheit-Berg gewürdigt, sondern deutlich unauffälligere Akteure. Zum Beispiel: Dr. Rainer Moormann. Er forschte lange Zeit an der Sicherheit von Kugelhaufenreaktoren in Jülich. Seine Warnungen wurden nicht berücksichtigt. Der Journalist Henrik Flor sprach mit ihm.

Womit haben Sie sich im Forschungszentrum Jülich befasst und was haben Sie dort aufgedeckt?

http://berlinergazette.de/whistleblower-moormann/

 

Presse zur Preisverleihung 2011: Die Geheimnisse der Mächtigen

Unter diesem Titel erschien in der Westfälischen Rundschau vom 02.07.2011 der nachfolgende Bericht zur Whistleblowerpreisverleihung 2011.

files/whistle-1.pdf

 

2011 Moormann-Jury

Whistleblowerpreis 2011 für Dr. Rainer Moormann.

Begründung der Jury:

Dr. Rainer Moormann arbeitet seit 35 Jahre in der Kernforschungsanlage (KFA), dem
heutigen Forschungszentrum in Jülich (FZJ). Zu seinen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkten
zählte über lange Zeit die Sicherheit von Kugelhaufen-Reaktoren (Hochtemperatur-Reaktoren,
HTR). Ein Versuchsreaktor dieses Typs (AVR) mit einer Kapazität von 15 Megawatt war in Jülich
bis 1988 in Betrieb. Er wurde mit in Graphitkugeln eingeschlossenem Brennstoff betrieben und mit
Helium-Gas gekühlt. Hochtemperatur-Reaktoren werden von interessierten Kreisen in der
Fachwelt, in der Wirtschaft und in der Politik bis heute dafür gerühmt, dass sie „inhärent sicher“
seien: Bei ihnen bestehe, im Gegensatz etwa zu Leichtwasser-Reaktoren, nicht das Risiko einer
Kernschmelze; nukleare Katastrophen seien damit nicht zu befürchten. Dr. Moormann ist in seinen
Untersuchungen demgegenüber zu dem Schluss gelangt, dass mit der Kugelhaufen-HTRTechnologie
andere, nicht minder bedrohliche Störfallmöglichkeiten und Risiken mit katastrophalen
Folgen für Mensch und Umwelt verbunden sind.

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2011 Anonymus-Jury

Whistleblower-Preis 2011 für die Persönlichkeit, die über Wikileaks das Video ‚Collateral Murder‘ publik gemacht hat.

Begründung der Jury


Den Whistleblowerpreis 2011 erhält zur Hälfte eine bislang anonyme Persönlichkeit. Sie hat im
April 2010 ein von den US-Behörden als Staatsgeheimnis gehütetes Dokumentations-Video
über ein von US-Soldaten im Irak verübtes schweres Kriegsverbrechen der Welt-Öffentlichkeit
zugänglich gemacht. Die bisherige Anonymität dieser Persönlichkeit steht der Preisverleihung
nicht entgegen. Ausgezeichnet und geehrt wird das Whistleblowing. Die Preisübergabe an
den/die Whistleblower/in wird erfolgen, sobald dessen/deren Identität feststeht. Bis dahin wird
das Preisgeld - zusammen mit für diesen Zweck zusätzlich eingeworbenen Spenden -
treuhänderisch hinterlegt und für die Unterstützung derjenigen verwendet, denen die
Veröffentlichung dieses Videos straf- oder disziplinarrechtlich zum Vorwurf gemacht wird.

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