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„Jeder lebt hinter einem Gitter, das er mit sich herumträgt“, schreibt Franz Kafka in „Die Verwandlung"

Wahrscheinlich trifft der Satz am ehesten auf Menschen zu, die im Exil leben. Die meisten von uns haben sich ihre Gefängniszellen auf den Rücken geladen und sich dann in die ganze Welt verstreut. Und während wir schreiben, schlagen unsere Handschellen immer noch gegen unsere Tastaturen.

In der Istanbuler Redaktion meiner Zeitung „Cumhuriyet“ war der Konferenzraum mit kugelsicheren Vorhängen geschützt; in meinem Berliner Büro muss ich den Vorhang hinter mir immer zuziehen, damit ich nicht zum Ziel eines Attentats werde. Ich war freier, als ich im Gefängnis geschrieben habe, denn die Bedrohung, verhaftet zu werden, hing nicht mehr über meinem Kopf; jetzt muss ich beim Schreiben an meine Kollegen denken, die immer noch in ihren Zellen eingesperrt sind, die dort als Geiseln gehalten werden.

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