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Can Dündar

„Jeder lebt hinter einem Gitter, das er mit sich herumträgt“, schreibt Franz Kafka in „Die Verwandlung"

Wahrscheinlich trifft der Satz am ehesten auf Menschen zu, die im Exil leben. Die meisten von uns haben sich ihre Gefängniszellen auf den Rücken geladen und sich dann in die ganze Welt verstreut. Und während wir schreiben, schlagen unsere Handschellen immer noch gegen unsere Tastaturen.

In der Istanbuler Redaktion meiner Zeitung „Cumhuriyet“ war der Konferenzraum mit kugelsicheren Vorhängen geschützt; in meinem Berliner Büro muss ich den Vorhang hinter mir immer zuziehen, damit ich nicht zum Ziel eines Attentats werde. Ich war freier, als ich im Gefängnis geschrieben habe, denn die Bedrohung, verhaftet zu werden, hing nicht mehr über meinem Kopf; jetzt muss ich beim Schreiben an meine Kollegen denken, die immer noch in ihren Zellen eingesperrt sind, die dort als Geiseln gehalten werden.

weiter: https://ozguruz.org/de/2017/09/13/niemals-aufgeben-ihr-mutigen/

B. F. am 6.11.17 auf der facebook-Seite der ialana:

„Ich habe gerade per mail die Ankündigung dieser Veranstaltung bekommen, wahrscheinlich

weil ich mit der IPPNW vernetzt bin. Und wenn ich hier auf der Seite der IALANA

kurz durch scrolle, ist das Engagement für mehr Wahrheit und Gerechtigkeit

spürbar. Doch ich bezweifle stark, ob der Einsatz für Can Dündar dazugehören

sollte. Erstens frage ich mich, da es die "deutsche Sektion" ist, was Can Dündar

mit Problemen in Deutschland zu tun hat bzw. ob es nicht genug Probleme im

eigenen Land gibt.

Begründung der Gemeinsamen Jury von IALANA und VDW

für die Verleihung des Whistleblower-Preises 2017 an Dr. Can Dündar

 

A. Zur Person von Dr. Can Dündar

Can Dündar wurde am 16.6.1961 in Ankara geboren. Die Eltern waren republikanisch orientiert. Der Vater arbeitete zeitweise für den türkischen Geheimdienst MIT. D. interessierte sich schon als Jugendlicher für Politik. Er studierte Journalismus an der Fakultät für Politikwissenschaften in Ankara. Nach Abschluss des Studiums im Jahr 1982 machte er 1988 seinen Master an der London School of Journalism. 1996 wurde er an der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara promoviert mit einer Arbeit über verschiedene Geheimdienste, die illegal handelten, aber durch Erklärung ihrer Aktivitäten zumStaatsgeheimniszu Unrecht Schutz erhielten (u.a. im Watergate-Skandal in den USA). Danach arbeitete er als Redakteur bzw. Kolumnist für verschiedene Zeitungen, moderierte im Fernsehen und produzierte Dokumentarfilme über prägende politische Ereignisse in der Türkei. Außerdem schrieb er über Personen der Zeitgeschichte wie Nazim Hikmet und verfasste ein kritisches Porträt zu Atatürk.

Nachdem schon vorher in der Türkei große Konzerne Medien aufgekauft hatten, um sich durch gefällige Berichterstattung lukrative Regierungsaufträge zu sichern, verstärkte sich diese Entwicklung nach dem Regierungsantritt der AKP.

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