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Antoine Deltour und sein Mitstreiter Halet durften das Gericht als freie Männer verlassen – allerdings nur auf Bewährung. Für ihre Enthüllungen wurden sie bestraft.

29. Juni 2016, Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, dpa

Im Prozess um die Enthüllungen im LuxLeaks-Skandal sind zwei ehemalige Mitarbeiter der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Der dritte Angeklagte, ein Journalist, wurde freigesprochen. Die drei Franzosen hatten dazu beigetragen, die dubiosen Steuerpraktiken multinationaler Konzerne in Luxemburg zu enthüllen.

Der ehemalige PwC-Mitarbeiter Antoine Deltour wurde zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, sein früherer Kollege Raphaël Halet erhielt neun Monate auf Bewährung.

Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate Haft gefordert, die Verteidigung verlangte Freisprüche für alle drei Angeklagten. Auch die Organisationen Oxfam und Attac hatten erklärt, ein Freispruch sei das "einzig akzeptable" Urteil.

Die Vorwürfe gegen sie reichten von Diebstahl und Verletzung von Geschäftsgeheimnissen bis zur Verletzung des Berufsgeheimnisses. Die Ex-Mitarbeiter von PwC sollen Tausende Dokumente über die dubiosen Steuerpraktiken multinationaler Konzerne in Luxemburg entwendet und an den Journalisten Edouard Perrin weitergegeben haben.

Ihre Enthüllungen offenbarten, wie Luxemburg den Großkonzernen dabei half, Milliarden an Steuerzahlungen zu vermeiden, und lösten eine internationale Debatte aus. Sie zeigten zudem, wie auch andere EU-Staaten an einer Art Steuerwettbewerb um große Unternehmen teilnahmen.

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Dazu Hans-Jürgen Jakobs im Handelsblatt-morningbriefing vom 29.6.16:

Aus dem beschaulichen Luxemburg, das Jean-Claude Juncker bekanntlich zur Spielhölle globaler Steuertrickser gemacht hat, dringt eine fast putineske Geschichte hervor. Dort urteilt am heutigen Mittwoch, 15 Uhr, ein Gericht über die Folgen von „Luxleaks“. Zwei Ex-Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfergesellschaft hatten Daten und Papiere der Öffentlichkeit überreicht, da sie Junckers „tax rulings“ für unmoralisch und illegal hielten. Wegen Diebstahl und Verrat von Geschäftsgeheimnissen fordert der Staatsanwalt nun 18 Monate Gefängnis auf Bewährung. Auch der Journalist, der alles veröffentlichte, wird angeklagt. Verkehrte Welt: Die drei hätten einen Preis für Zivilcourage verdient.

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