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Kommentar von Aris Radiopoulos aus der Sicht der Regierung der Hellenischen Republik

Die Forderung der Griechischen Regierungen nach Rückzahlung der Zwangsanleihe und der Reparationen besteht bis heute durchgehend ununterbrochen seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Sie wurde sowohl vor als auch nach der deutschen Wiedervereinigung und zwar auf höchster Ebene gestellt.


Die Forderung nach Rückzahlung der Zwangsanleihe und der Reparationen stellt eine historische Verpflichtung der neuen griechischen Regierung dar. Es ist unsere Pflicht gegenüber der Geschichte. Die neue griechische Regierung wird bei dieser Forderung dem „Nationalen Ausschuss des Parlaments zur Einforderung der Verpflichtungen Deutschlands gegenüber Griechenland“ eine zentrale Rolle beimessen, sowie Manolis Glezos, der jahrelang mühsam kämpft, um dieser nationalen Verpflichtung nachzukommen. Manolis Glezos überbrachte erneut diese Forderung nach Deutschland, als er am vergangenen Donnerstag auf Einladung der Opposition im Bundestag eine Rede im Rahmen der Erinnerungsveranstaltung für das 70. Jubiläum seit Ende des Krieges hielt. Während seines mehrtägigen Deutschlandaufenthalts diskutierte er bei Veranstaltungen in diversen Städten (Hanau, Frankfurt a.M., Hamburg, Berlin) mit dem deutschen Publikum über die griechische Forderung.

Trotz der Verbrechen des Dritten Reiches und der Schergen Hitlers, die die ganze Welt in Schutt und Asche gelegt hatten, trotz des absoluten Bösen, das sich im Holocaust manifestiert hat, wurde Deutschland durch eine Fülle von Initiativen und Maßnahmen geholfen.

Und das war richtig.

Nicht zuletzt auch durch Streichung der Schulden, die seit dem ersten Weltkrieg auf den Schultern des Landes lasteten und 1953 auf der Schuldenkonferenz von London vertraglich abgeschrieben wurde, ebenso wie durch die Unsummen, die von Seiten der Alliierten für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung gestellt wurden. Das Londoner Abkommen erkennt dabei zugleich an, dass die aus dem Zweiten Weltkrieg anfallenden Entschädigungszahlungen, abschließend in einem Friedenvertrag zu regeln seien, welcher jedoch bis zum Jahre 1990, aufgrund der Teilung Deutschlands, nicht existierte.

Die Wiedervereinigung hat die juristische und politische Grundlage für die abschließende Lösung des Problems geschaffen. Fortan schwiegen jedoch alle deutschen Regierungen, beriefen sich auf juristische Schlupflöcher, schoben eine Auseinandersetzung mit der Thematik auf und vor sich her.

Sieht so eine moralisch integere Haltung aus?

Die griechische Regierung hat ein juristisches Problem im Rahmen des Völkerrechts angeschnitten, auf das wir uns berufen. Diese Initiative, also diese Forderung nach Reparationen bzw. in Bezug auf das Stichwort Zwangskredit ist übrigens nichts Neues, sie wurde auch in der Vergangenheit gestellt. Das hängt auch nicht mit der augenblicklichen Krise, mit der Position Griechenlands in der Eurozone und mit der Notwendigkeit zusammen, schnell eine Lösung zu finden, um voranzukommen. Das ist ein rein bilaterales Thema, das für uns vor allen Dingen eine ethische Wertung hat.

Die notwendige Konkretisierung und technische Sichtung der Thematik ist Sache der Experten, Juristen und Historiker. Die griechische Regierung versichert, dass sie der Thematik mit der gebotenen Sensibilität, mit Verantwortungsbewusstsein und Aufrichtigkeit und der Bereitschaft zu Verständigung und Dialog nähern wird. Nicht weniger erwarten wir jedoch auch von Seiten der Bundesregierung. Und zwar aus politischen, historischen, symbolischen aber auch moralischen Gründen.

 

(Aris Radiopoulos ist II.Botschaftssekretär der grichischen Botschaft in Berlin und hat die Veranstaltung besucht)

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