Vorbemerkung

Eine bindende Entscheidung des IGH ist nur möglich, wenn beide Staaten sich völkerrechtlich bindend vorher der Rechtsprechung des IGH unterworfen haben. Das ist nur hinsichtlich der Republik der Marshallinseln und bei den 3 Staaten Großbritannien, Pakistan und Indien der Fall. Weiter sind nur die alten Atomstaaten dem NPT beigetreten, die völkervertragliche Verpflichtung aus Art.6 NPT trifft daher nur Großbritannien, nicht Indien und Pakistan. In diesen beiden Fällen kann die Verpflichtung zur atomaren Abrüstung nur aus dem Völkergewohnheitsrecht hergeleitet werden. Die Verhandlungen sind zunächst begrenzt auf prozessuale Fragen, die sich unterschiedlich stellen.  Das Gericht hat jeweils 4 mündliche Verhandlungen angesetzt, bei denen die Parteien wechselnd zu Wort kommen sollen.

Klage der RMI gegen Großbritannien vom 24.4.2014

klage der rmi gegen grossbritannien vom 24.4.14

Am 11.06.14 fand eine Besprechung der Verfahrensbevollmächtigten mit dem Präsidenten des IGH Tomka statt. Man einigte sich auf 9 Monate Schriftsatzfrist für jede der Parteien zur weitere Vorbereitung. Zunächst plädierten die Marshall Islands (MI) bis 16.03.2015, dann UK  bis 16.12.2015. UK hat bereits am 15.5.15 erwidert. Die RMI hatten dann noch  Frist zur Stellungnahme bis 15.10.15.  Üblicherweise werden diese  Schriftsätze erst nach der mündlichen Verhandlung veröffentlicht.

Seit 7.3.2016 wird nun beim IGH mündlich verhandelt

Wortprotokolle der einzelnen Sitzungstage

09.03.16 Grossbritannien      www.icj-cij.org/docket/files/160/18932.pdf

11.03.16 RMI                             www.icj-cij.org/docket/files/160/18936.pdf

14.03.16 GB                              www.icj-cij.org/docket/files/160/18943.pdf

16.03.16 RMI                             www.icj-cij.org/docket/files/160/18966.pdf

 

Kurzberichte von Nick Wayman und Jackie Cabasso zu den einzelnen Sitzungstagen

09.3. GB                                     https://www.wagingpeace.org/day-three-what-is-the-sound-of-one-hand-clapping/

11.3. RMI anwortet GB             https://www.wagingpeace.org/day-five-at-the-icj-everybodys-doing-it/

14.3. GB erwidert                      https://www.wagingpeace.org/day-six-part-two-appealing-to-sentiment/

16.3. RMI abschließend          http://www.pressenza.com/2016/03/day-seven-icj-making-big-fuss/

Presseerklärung des ICJ vom 16.03.2016

http://www.icj-cij.org/p/?p1=6&pr=2600

 

Urteil des ICJ vom 5.10.2016

Am 5.10.2016 entschied der Internationale Gerichthof in  Den Haag  zu den Klagen der Marshall-Inseln  gegen Großbritannien, Indien und Pakistan, dass er aus formalen Gründen nach dem IGH-Statut nicht in der Sache entscheiden könne. Die Entscheidungen  ergingen mit knapper Mehrheit, können aber  nicht angefochten werden. Die Verfahren sind zuende

In allen Verfahren drangen die Atomstaaten mit dem Einwand durch, es habe unmittelbar zwischen ihnen und der Republik der Marshall-Inseln vor der Klageerhebung noch keinen Streit über die Verletzung ihrer  völkerrechtlichen Pflichten gegeben, nach dem IGH-Statut könne das Gericht aber nur über einen Rechtsstreit zwischen den beteiligten Staaten entscheiden.

Hier die entscheidende Passage aus dem Urteil im Falle RMI vs.India:  

(...)
32. In addition, India asserts that the Marshall Islands never brought its claim to the attention of the Respondent, or invoked India’s responsibility, before it filed its Application, and that it did not seek to enter into prior bilateral negotiations with any of the nine States against which it sought to bring proceedings before the Court. While India acknowledges that the exhaustion of prior negotiations is not a prerequisite for
seising the Court, it argues that before filing its Application, the Marshall Islands should at least have initiated negotiations or consultations in order to define the subject-matter of the dispute, and that its failure to do so is evidence of the absence of any dispute. India relies on the Judgment in the case of Mavrommatis Palestine Concessions in this regard …... as well as on Article 43 of the ILC Articles on State Responsibility. In addition, India does not accept that a State can give notice of its claim through the institution of proceedings before the Court.
 

33. Under Article 38 of the Statute, the function of the Court is to decide in accordance with international law disputes that States submit to it. Under Article 36, paragraph 2, of the Statute, the Court has jurisdiction in all “legal disputes” that may arise between States parties to the Statute having made a declaration in accordance with that provision. The existence of a dispute between the Parties is thus a condition of the Court’s jurisdiction.
(...)

54. The
 Court therefore concludes that the first objection made by India must be upheld. It follows that the Court does not have jurisdiction under Article 36, paragraph 2, of its Statute.

55. Consequently, it is not necessary for the Court to deal with the other objections raised by India. The questions of the existence of and extent of customary international law obligations in the field of nuclear disarmament, and India’s compliance with such obligations, pertain to the merits. But the Court has found that no dispute existed between the Parties prior to the filing of the Application, and consequently it lacks jurisdiction to consider these questions

Der IGH hat alle drei Urteile am Nachmittag auf seiner  Webseite eingestellt, einschließlich der Dissenting Opinions und teilweise sehr umfangreichen Erklärungen der  einzelnen Richter zu den Entscheidungen.

Die Urteile  und die Presseerklärungen sind zu finden unter  "cases". Hier  - wegen der im wesentlichen identischen Begründungen - beispielhaft  die Presseerklärung und das Urteil im Verfahren gegen Indien. 

Die Urteile ergingen   jeweils mit knapper Mehrheit, in den Verfahren Indien und Pakistan mit  9:7,  im Falle Großbritannien sogar mit 8:8 (wobei dann die Stimme des Präsidenten zur nach dem IGH-Statut zur Mehrheit führte).  

Hier ein Überblick über die Dissenting Opinions in der Klage gegen Großbritannien