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„Wer Waffen liefert und Kriege führt, wird Terroristen ernten“ - Appell an die deutsche Bundesregierung: „Kein Kriegseinsatz in Syrien!“

Mehr als 400 Wissenschaftler und Friedensaktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland legen am 06.12.2015 in Kassel "Friedenspolitische Forderungen 2016"  vor.

In Syrien droht nach Einschätzung von Nahostexperten eine weitere Eskalation, wenn die Bundesregierung dort militärisch eingreift. „Krieg als Mittel gegen den IS verschlimmert die Lage vor Ort und birgt die Gefahr, dass terroristische Angriffe sich ausbreiten“, sagte Anne Rieger (Graz) bei der Eröffnung des 22. Friedenspolitischen Ratschlags in Kassel.

Dass Terror nicht mit Waffen besiegt werden könne, hätten 14 Jahre Krieg in Afghanistan gezeigt: Radikale islamistische Terrorbanden wie der IS seien heute stärker denn je, sagte die Sprecherin des Bundesausschuss Friedensratschlag: „Der geplante Kriegseinsatz der Bundeswehr kann Terrorbanden nicht besiegen, vielmehr wird er neue Terroristen gebären – damit bedroht der auch uns hier in Deutschland und Europa“, so Rieger vor mehr als 400 Wissenschaftlern und Friedensaktivisten. 

Zu der internationalen Konferenz hatte der Bundesausschuss Friedensratschlag gemeinsam mit der AG Friedensforschung und dem Kasseler Friedensforum eingeladen. Eines der Themen: Die Situation im Nahen Osten.

„Es gibt zivile Alternativen, um dem IS Einhalt zu gebieten“

Es gebe zivile Alternativen, um dem Islamischen Staat Einhalt zu gebieten, sagte Rieger. „Als allererstes müssen die Rüstungsexporte in den Nahen und Mittleren Osten gestoppt werden“. Deutschland sei der größte Waffenexporteur der EU und
der viertgrößte weltweit, zur Hälfte dieses Jahres seien bereits so viele Ausfuhren genehmigt worden wie im gesamten Jahr 2014. „Waffenexporte müssen geächtet und gesetzlich verboten, Hermesbürgschaften abgeschafft werden“, so die Forderung der Friedensaktivisten.

„Politischen und wirtschaftlichen Druck auf die Türkei ausüben“

Eine weitere Forderung: Statt drei Milliarden Euro an die Türkei zu zahlen, müsse die Bundesregierung „politischen und wirtschaftlichen Druck auf die Türkei ausüben, um den Handel mit dem IS – insbesondere von Öl und Gas – zu stoppen und
den Zustrom von Kämpfern und Geld in das Gebiet des IS zu kappen“, erklärte Rieger. Anstatt militärisch zu intervenieren, sei es sinnvoller, Verhandlungslösungen mit allen Konfliktbeteiligten unterstützen. „Ziel muss es sein, föderale Strukturen und demokratische Entwicklungen in den bestehenden Staatsgrenzen Syriens und Iraks zu etablieren“, so Rieger. Statt Gelder für Krieg und Waffen brauche es Investitionen in den Wiederaufbau der Infrastruktur in den betroffenen Ländern: für die Versorgung von Flüchtlingen, den Bau von Wohnungen, Schulen, Krankenhäusern, den Ausbau des öffentlichen Verkehr. „Wer die Not der flüchtenden und bei uns Schutz suchenden Menschen beenden will, muss die Ursachen ihrer Gründe für die Flucht bekämpfen:
Krieg, exportierte Umweltkatastrophen, extreme Ausbeutung, Zerstörung ihrer Infrastruktur, Wohnungen, Lebensgrundlagen und ihrer Perspektiven“, so Rieger.

Friedenspolitische Forderungen geben Anregungen für Aktionen

Die Teilnehmer des Ratschlags übergaben ihre „Friedenspolitischen Forderungen 2016“ der Öffentlichkeit. Sie geben Anregungen für örtliche, regionale und bundesweite Aktionen: „Der Friedensratschlag versteht sich als Brücke zwischen
wissenschaftlicher Analyse und praktischem Engagement, als Ideengeber für friedensbewegte Menschen“, erklärt Frank Skischus, Sprecher des Kasseler Friedensforums, das den Ratschlag mit organisiert. In diesem Jahr geht es in den
friedenspolitischen Forderungen unter anderem um die umstrittenen Abkommen TTIP und TISA und CETA. Überdies wenden sich die Friedensaktivisten dagegen, dass die Bundeswehr zu einer Interventionsarmee wird, fordern die Abschaffung von
Atomwaffen und Uranmunition und kritisieren die Militarisierung von Bildungswesen und Gesellschaft.

„Die zahlreichen Aktionen gegen ein militärisches Eingreifen in Syrien im Vorfeld des Bundestagsbeschlusses ermutigen uns als Friedensbewegung“, sagte Horst Trapp vom Bundesausschuss Friedensratschlag. „Der Ratschlag ist aus unserer Sicht der Auftakt zu dem erwarteten neuerlichen Anwachsen der Friedensbewegung, um durch größere Aktionen Einfluss auf politische
Entscheidungen zu erlangen“, so Trapp. „Nur so ist eine andere Politik durchzusetzen.“

Quelle:
www.friedensratschlag.de <http://www.friedensratschlag.de/>

 

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